Papst Innozenz III. – Anstifter zum Genozid an Bogomilen

Wandfresko mit Thomas von Aquin, Papst Innozenz III. und Bonaventura
Wandfresko mit Thomas von Aquin, Papst Innozenz III. und Bonaventura

Im Jahr 1198 wurde Innozenz III. im Alter von 37 Jahren zum Papst gewählt. Sorgfältig theologisch und kirchenrechtlich ausgebildet, betrieb er energisch die Überhöhung der Papsttums über die weltliche Gewalt, hin zu einer priesterköniglichen Stellung.

Karlheinz Deschner nennt ihn den „mächtigsten Papst der Geschichte“: „Er kannte für die Politik nur ein Gebot, das der Zweckmäßigkeit, und was zweckmäßig war, beurteilte er als ein Mann, der die Menschen durchschaute und sehr gering achtete. Er scheute sich nicht, an ihre schlechten Triebe zu appellieren, um sie sich dienstbar zu machen.

Dass Unwürdige in kirchlichen Ämtern standen, wusste er, aber er duldete sie; denn ihre Verworfenheit sollte sie knechten. Heuchelei und Betrug waren ihm nicht anstößig, wenn sie im Dienste seiner Sache standen … und er scheute schließlich selbst vor offenbaren Lügen nicht zurück.“ 1

Der Deutschlandfunk berichtet: „Er gilt als erbarmungsloser Ketzerjäger … Schon das Krönungszeremoniell des neuen Papstes machte sein Amtsverständnis deutlich. Zu Zepter, Schwert und Krone fügte er als Zeichen seiner Machtfülle die goldene Weltkugel hinzu … Und er formulierte: ‚Geringer als Gott, aber größer als der Mensch. Einer, der alles richtet, aber von niemandem gerichtet wird …‘ Und genauso präsentiert er sich nun auch in der Folge: Papst Innozenz III. aus dem Haus der Grafen von Segni: befehlsgewohnt, organisationsbegabt, machtorientiert. Vor allem Letzteres, sagt die Historikerin Christiane Laudage: ‚Innozenz war ein Machtmensch. Er hatte ein extrem hohes Selbstverständnis von seinem Amt.‘  2

Päpstliche Intrigen gegen die Bogomilen

Im dritten Jahr seines Pontifikats begann Innozenz III., unter anderem gegen die Bogomilen – damals oft auch, nach der oberitalienischen Glaubensbewegung, „Patarener“ genannt – in Dalmatien und Bosnien vorzugehen. Seine Strategie zielte zunächst darauf ab, umliegende Machthaber zur Vertreibung der „Ketzer“ aufzurufen.

Exemplarisch dafür sind zwei erhaltene Briefe. Am 11. Oktober 1200 schrieb Innozenz III. an den ungarischen König Emmerich, „dass Ban [Vizekönig] Kulin in Bosnien offen falschgläubige Patarener [Bogomilen] beschützt“:

„Wir haben erfahren, dass unser ehrwürdiger Bruder [Bernard], Erzbischof von Split, eine nicht geringe Zahl Patarener aus den Städten Split und Trogir vertrieben hat. Der Edelmann Kulin, Ban von Bosnien, bot diesen Patarenern nicht nur einen sicheren Zufluchtsort für ihre Bosheit, sondern auch einen offensichtlichen Schutz, indem er nicht nur sein Land ihrer Bosheit aussetzte, sondern auch sich selbst. Er ehrte sie wie Katholiken, sogar noch mehr als Katholiken, indem er sie ausdrücklich Christen nannte. … 

Wir bitten, ermahnen und mahnen die Hoheit des Königs, sie solle sich zur Gewalt vorbereitet halten, so wie es einer königlichen Macht entspricht, um die Ungerechtigkeit zu rächen, die Christus und Christen zugefügt wurde; … du sollst sie vertreiben nicht nur aus deinem Lande, sondern auch aus dem ganzen Königreiche Ungarns und ihre Güter, wo immer sie in deinem Land sind, sollen beschlagnahmt werden. Im Übrigen soll dem genannten König nicht dein Nachsehen gelten, sondern führe an ihm die richterliche Gewalt der Landesregierung aus, wenn es anders nicht möglich sein sollte, den rechten Weg wieder herzustellen.

Wir befehlen, dass in den Gebieten unter unserer weltlichen Macht ihre Waren versteigert werden, und für die andere Gebiete befehlen wir, die weltlichen Fürsten und Herrscher sollen dasselbe tun; und wenn sie fahrlässig sein sollten, befehlen wir, sie sollten durch kirchliche Strenge dazu gezwungen werden; … An denjenigen, die aber die durch geistige Macht nicht zur Vernunft gebracht werden können – soll die weltlichen Macht das ihre tun.”  3

Der ungarische König Emmerich folgte jedoch Papst Innozenz III. nicht und beging keinen Genozid an den Bogomilen. Das verärgerte den Papst sehr, und er schrieb am 21. November 1202 an Erzbischof Bernhard von Split und seinen Legaten Ivan ein Dekret mit folgendem Inhalt:

„… im Land des ehrwürdigen Mannes Kulin Ban leben viele Menschen, die der verfluchten katharische Häresie verdächtigt werden und über die sehr schwerwiegende Gerüchte in Umlauf gebracht werden. Wir sandten einen Apostolischen Brief an den ehrwürdigsten in Christus, unseren glorreichen Sohn Emmerich, mit dem Befehl, aus seinem gesamten Gebiet die Bogomilen zu vertreiben und ihr gesamtes Eigentum aus dem gesamten Gebiet zu beschlagnahmen … Aber er befolgte unseren Befehl nicht mit der Entschuldigung, dass er sie für Gläubige, und nicht für Ketzer gehalten hätte … Und dass er bereit wäre, die Lehre des Apostolischen Stuhls vorbehaltlos zu respektieren.

Daher bitten wir Sie, in das Land von Kulin Ban zu gehen und dort die Echtheit des Glaubens der bosnischen Bevölkerung zu untersuchen, wie auch von Kulin Ban und seiner Frau. Wenn Sie aber dort ketzerische Bosheiten gegen den echten Glauben oder ähnliches feststellen sollten, dann sollten gegen nach den Gesetzen gegen Häretiker vorgegangen werden!“ 4

Doch diese Bemühungen brachten in Bosnien kurzfristig nicht den gewünschten „Erfolg“.

Kriegstreiberei und religiöser Genozid durch Kreuzzüge

Innozenz III. setzte weiterhin alles daran, Andersgläubige durch das Schwert auszumerzen. Als theologischer Brandstifter und entscheidender geistiger Wegbereiter der Inquisition ließ er europaweit den Aufruf zum „Heiligen Krieg“ von den Kirchenkanzeln predigen und sorgte mit hohem persönlichen Einsatz für dessen Umsetzung:

„In einem solchen Weltbild konnte und durfte der Kreuzzug nicht mehr länger allein in den Händen der Könige liegen; nicht nur die Ausschreibung, die unbestritten päpstliches Recht war, sondern die Gesamtleitung gebührte dem Papst.“ 5 schreibt der deutsche Historiker H. E. Mayer, ein international führender Experte auf dem Gebiet der Kreuzzüge.

„Innozenz III. schließlich hat den Kreuzzugsgedanken in Kriegen gegen alle möglichen Feinde verwendet. Seit Beginn seines Pontifikats bemühte er sich um einen neuen Kreuzzug in den Orient. Den Kreuzzugsablass versprach er für den Kampf gegen Markward von Annweiler, der die päpstlichen Rechte in Sizilien bedrohte, und für die Bekämpfung der häretischen Albigenser. Die Eroberung des christlichen Konstantinopel durch das Heer des vierten Kreuzzugs hat er nachträglich gebilligt … Kurz: Kreuzzug aller Orten.“ 6

Dieser perfiden, bösartigen Macht- und Vernichtungsstrategie unter religiösem Deckmantel fielen schließlich nicht nur Bogomilen-freundlichen Städte wie Zadar zum Opfer, sondern auch und besonders die Katharer in Südfrankreich: Der Papst rief zum Albigenser-Kreuzzug auf, der ab 1209 unter anderem zum Massaker von Béziers mit 20.000 Toten führte. Graf von Hoensbroech nannte Innozenz III. damals den „eigentlichen Schlächter der Albigenser“. 7

Quellen / vrela / viri / izvori:

  1. Karlheinz Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums, Band 7, Rowohlt, Hamburg, 2003 - S. 43
  2. Deutschlandfunk, Ketzerjäger, Inquisitor und Reformer: Innozenz III., 15.07.2016 - via deutschlandfunk.de
  3. Übersetzung aus: Franjo Šanjek, Bosansko-Humski Krstjani u Povijesnim Vrelima (13-15. st.) / Bosnisch-Humer Christen in historischen Quellen (13.-15. Jh.), Barbat, Zagreb, 2003 - S. 72 f. - "Inocent III. Emerico, Hungariae Croatiaeque regi, ut Culinus Banus Bosnensis Patarenis non solum tutum latibulum sed praesidium manifestum cuntulit"
  4. Šanjek - S. 74 f. - "Inocent III. Bernardo, archiepiscopo Spalatensis, et Iohanni de Casamare ut momenta religiosa in Bosniae partibus attente exquirant"
  5. Hans Eberhard Meyer, Geschichte der Kreuzzüge, Kohlhammer, Stuttgart, 2005 - S. 231
  6. Ernst-Dieter Hehl, Was ist eigentlich ein Kreuzzug?, in: Historische Zeitschrift, Bd. 259, 1994 - via degruyter.com
  7. Deschner - S. 115

Bildquellen / vrela slika / viri slik / izvori slika:

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