Tag 10: Stećci im Nationalpark Blidinje

Auf den Spuren der Bogomilen durch Bosnien und die Herzegowina: Im Juni 2022 machten wir uns auf dem Weg, und bereisten zwei Wochen lang die Region. Dieser Reisebericht erzählt von den zahlreichen Etappen auf unserem Weg, den Sehenswürdigkeiten, Erlebnissen und Begegnungen mit vielen hilfsbereiten Menschen vor Ort, die uns oft gerne das Land und seine Geschichte näher brachten.

Von unserem Ferienapartment am Jablanica-Stausee oberhalb von Konjic brechen wir heute in aller Frühe auf: Unser Ziel ist der Nationalpark Blidinje. Dort erwartet uns heute, neben dem auf dieser Reise fast schon obligatorischen wolkenlosen Himmel, ein junger einheimischer Führer, der uns einige Stätten mit stećci zeigen wird.

Das weite, grüne Grasland, die steilen Berggipfe, der rauhe Wind – vieles erinnert uns an Kupres. Doch Blidinje hat neben einem ausgedehnten Bergsee auch etwas mehr touristische Infrastruktur zu bieten. Neben einigen Neubau-Ferienhäusern von Kroaten aus der Herzegowina, Dalmatien und sogar Zagreb gibt es hier auch eine Handvoll Motels. Wir machen in einem davon Rast und warten bei einem Kaffee auf unseren guide …

Es dauert nicht lange, und ein großer dunkelgrauer Amarok-Jeep biegt von der Straße ab und hält an. Ein schmaler junger Mann mit aufgewecktem Blick steigt aus und kommt auf uns zu. Nach einer freundlichen Begrüßung gehen wir kurz die geplante Route durch – und schon geht es auf zur ersten Lokalität. Neben den stećci steht hier eine katholische Kirche mit modernem Friedhof.

Anschließend fahren wir weiter, über Feldwege hinein in die Wildnis – hin zu einem Hügel mit etlichen halb im Gras versunkenen stećci. Gleich daneben hat jemand um die 50 Bienenstöcke aufgestellt, was neben der versteckten Lage auch der Grund sein mag, weshalb diese Stätte trotz Sitzbänken eher wenig besucht wird …
Unsere nächster Halt hat es aber dafür ins sich: Die stećci von dugo polje wurden großteils aufwändig restauriert und bieten daher einen eindrucksvollen Anblick. Ihre vielfältige Symbolik ist hier deutlich zu erkennen.
Weniger deutlich auszumachen sind der Überreste einer kleinen katholischen Kapelle, ein unscheinbarer, mit Dornenranken überwucherter Steinhaufen mit einem Altar darunter: „Hier fanden früher Gottesdienste statt, der Priester hielt sie noch nach altem lateinischen Ritus von den Besuchern abgewandt …“ erklärt unser Führer. Uns macht die hier offenbar ganz normale kulturell-religiöse Aneignung dieser Stätten durch die katholische Kirche betroffen.
Zum Abschied geht es hinauf in die Hügel über dem See: Der wunderschöne Ausblick auf das naturbelassene Ufer mit einem großen Möwenschwarm unter einem schier endlosen Himmel mit Schäfchenwolken lässt uns den restlichen Tag über nicht mehr los.
Die nächsten zwei Stunden geht es per Landstraße durch die mal mehr und mal weniger bergige Macchia der Herzegowina. Dabei bleibt viel Zeit, die rauhe, trockene Landschaft zu betrachten, denn die Tempolimits der Gegend sind sehr strikt: Tempo 40 ist die Regel, Tempo 20 keine Seltenheit, und ansonsten heißt es meist Tempo 60.

Doch schließlich erreichen wir im Mondlicht unsere letzte Station in Bosnien: Stolac. 

Wir fahren langsam in die um diese Zeit sehr belebte Innenstadt und parken direkt am Fluss. 

Eine Nachricht per Viber an unseren Kontakt dort, und schon werden wir zu unserem Quartier für die Nacht geführt: Die mehmedbašića kuća ist ein stilvoll restauriertes, denkmalgeschütztes Gästehaus aus der osmanischen Epoche der Stadt.

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