Tag 7: Sarajevo und Bergtour-Vorbereitungen

Auf den Spuren der Bogomilen durch Bosnien und die Herzegowina: Im Juni 2022 machten wir uns auf dem Weg, und bereisten zwei Wochen lang die Region. Dieser Reisebericht erzählt von den zahlreichen Etappen auf unserem Weg, den Sehenswürdigkeiten, Erlebnissen und Begegnungen mit vielen hilfsbereiten Menschen vor Ort, die uns oft gerne das Land und seine Geschichte näher brachten.

In der Innenstadt von Sarajevo
In der Innenstadt von Sarajevo
Am nächsten Morgen sammeln wir beim Frühstück im lauschigen Innenhof unseres Stadthotels Kraft für die Etappe in Gebirge Richtung Neretva, die für heute und morgen ansteht. Dabei kommen wir mit der Bedienung ins Gespräch, die, wie es der Zufall so will, aus dem Neretva-Tal stammt: „Also Glavatičevo kann ich euch nur empfehlen, die stećci dort sind auf jeden Fall sehenswert. Und nehmt euch unbedingt Zeit für einen Abstecher zum See Boračko Jezero, wunderschön ist es da!“ Und natürlich darf nun ein Kaffee aus Haus für die neuen Freunde aus Deutschland nicht fehlen.

Wir besuchen zunächst das Bosniaken-Institut in der Innenstadt. In den 1980er Jahren vom bosnischen Mäzen Adil Zulfikarpašić im Exil in Zürich gegründet, ist es inzwischen mit seiner umfangreichen Bibliothek und Kunstsammlung mitten in Sarajevo beheimatet. An das moderne Hauptgebäude ist ein zur Galerie und Moschee umgestalteter Hamam angeschlossen, der bildenden Künstler ausstellt.

Bevor wir in die Wildnis aufbrechen, steht noch ein Literatur-Shopping in den Buchläden und Antiquariaten rund um die Baščaršija an, denn viele ältere historische Werke rund um das mittelalterliche Bosnien und die Bogomilen sind – wenn überhaupt – vor allem hier zu finden.

Und gleich die erste Station erweist sich als Volltreffer: „Gerade gestern kam hier Professor Emir vorbei, der hätte ihnen beim Thema Bogomilen wirklich gut weiterhelfen können.“ erklärt der freundliche Buchverkäufer, während seine kleine Tochter beim Anblick des immer höher anwachsenden Bücherstapels auf dem Verkaufstisch große Augen macht.

Besonders eine seltene Ausgabe der gesammelten und ins Englische übersetzten Gedichte von Mak Dizdar, des berühmten bosnischen Poeten aus Stolac, der den Geist der stećci so treffend wie kein anderer in Worte zu fassen vermochte, freut uns sehr.
Ob er denn Werke der kroatischen Historikerin Nada Klaić hätte? „Leider nicht, aber ich zeige Ihnen gern den Weg zur nächsten Buchhandlung hier die Straße hinunter, dort sollten sie mehr Glück haben.“

Auch das ist ein sympathischer Zug der Händler hier: Konkurrenzdenken ist ihnen fern – wenn sich man sich gegenseitig hilft, geht es unterm Strich allen besser. Und tatsächlich ergattern wir im nächsten Geschäft seltene Reprints der kroatischen Pionierin kritischer Historiografie.

Schon ziemlich vollbepackt geht es weiter zum Antikvarijat Tarih: Ein kleiner, unscheinbarer Laden, dessen Schaufenster und Innenraum vor Büchern nur so überquillt. Bis zu Decke stapeln sich, fein säuberlich geordnet, neuere, ältere und auch rare Werke bosnischer Literatur. Das ältere Ehepaar beratschlagt sich bei der Frage nach Literatur zu den Bogomilen eifrig, und läuft zielstrebig zwischen den Regalen umher. „Muhamed Filipović? Sie haben Glück, wir haben seine Bücher gerade da.“ – „Hmm, also dieses Buch von Šefik Beslagič über die stećci ist tatsächlich ziemlich selten, und eigentlich schon verkauft. Aber wissen sie was, wir warten jetzt schon wirklich lange darauf, dass es der Käufer auch abholt und bezahlt – nehmen Sie es doch gern mit.“ Und so wandert dieses seltene Standardwerk der jugoslawischen Erforschung der stećci auf den Stapel.

Könnte es sein, dass es hier sogar das heute rare Werk der Kunsthistorikerin Wenzel gibt – einen Band mit hunderten Skizzen und Standorten von stećci im ganzen Land? „Nach Marian Wenzel fragen Sie? Ihr Buch haben wir leider gerade nicht da, aber wissen Sie was: Sie hat uns vor und auch nach dem Krieg regelmäßig besucht … Einmal hat Sie hier sogar eins ihrer Bücher signiert, und wissen Sie was? Auch das kam später wieder zu uns zurück! Jetzt ist es wohl in Zagreb bei einem Sammler gelandet.“ Doch was sich findet, ist ein Reprint des seltenen Standardwerks Povijest Bosne i Hercegovine zur bosnischen Geschichte von 1942, mit einigen Beiträgen von Prof. Ćiro Truhelka. „Wissen Sie, eine schöne Auswahl seltener Bücher zu Ihrem Thema haben Sie da gefunden. Da hatten Sie wirklich Glück, dass wir die gerade da hatten!“

Das Auto voller literarischer Schätze, machen wir noch einen letzten Abstecher auf die Baščaršija, für einen kurzen Mittagsimbiss, und versorgen uns dann mit ein paar Vorräten. 

In Erwartung abkühlender Gewitter geht es dann in Richtung des einst olympischen Wintersport-Gebiets Bjelašnica vor den Toren Sarajevos, hinter dem unser Ziel für den Abend liegt. Gespannt auf das, was uns in der Bergwelt an Spuren der Bogomilen erwartet, machen wir uns auf den Weg.

2 Antworten auf „Tag 7: Sarajevo und Bergtour-Vorbereitungen“

    1. Hallo Hannelore, danke für den Hinweis! Tatsächlich war dieses Buch einer der ersten deutschsprachigen Titel, die ich zu diesem Thema gefunden hatte. Es war auch mit eine Quelle für diesen Artikel hier über die stećci: https://die-bogomilen.de/stecci-mahnmale-der-bogomilen. Später auf dieser Reise, nämlich in Stolac beim Besuch der Mak Dizdar-Stiftung, begegnete uns das Werk von Kutzli dann überraschenderweise wieder: https://die-bogomilen.de/kulturelle-begegnungen-in-stolac

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert