Tag 6: Von der „Pyramide der Sonne“ in Visoko nach Sarajevo

Auf den Spuren der Bogomilen durch Bosnien und die Herzegowina: Im Juni 2022 machten wir uns auf dem Weg, und bereisten zwei Wochen lang die Region. Dieser Reisebericht erzählt von den zahlreichen Etappen auf unserem Weg, den Sehenswürdigkeiten, Erlebnissen und Begegnungen mit vielen hilfsbereiten Menschen vor Ort, die uns oft gerne das Land und seine Geschichte näher brachten.

Heute "Pyramide der Sonne", im Mittelalter die Königsstadt Visoki
Heute "Pyramide der Sonne", im Mittelalter die Königsstadt Visoki

„Auf zur Pyramide der Sonne!“ heißt es am nächsten Morgen – zumindest für die anderen Gäste der Pension. Gerade für Polen, Tschechen und Slowaken scheint das „Tal der Pyramiden“ ein bekanntes und beliebtes Reiseziel zu sein. 

Visoki, die "hohe Stadt" von Kulin Ban

Doch uns interessiert viel mehr der Sitz von Kulin Ban, des berühmten Schutzherrn der Bogomilen, der in der „hohen Stadt“ Visoki um das Jahr 1200 herum herrschte. Anders als in Bobovac am Vortag herrscht hier allerdings schon am frühen Morgen ein reger Andrang von Pyramiden-Besuchern. Der Trampelpfad zu den Burgruinen ist gesäumt von geschäftstüchtigen tour guides und fliegenden Händlern, die von Heilsteinen, Kräutertees bis hin zu mystischem Schmuck eine Menge nützliches zur Vertiefung des Pyramiden-Erfahrung im Angebot haben.

Aussicht vom Gipfel der "Pyramide der Sonne" aus
Aussicht vom Gipfel der "Pyramide der Sonne" aus
Der kurze, steile Aufstieg durch Büsche und Bäume lohnt sich: Von den alten Mauern aus geht die Aussicht ins Tal der Bosna über Mile – den Krönungsort der ersten bosnischen Könige über Biskupići – den Hauptsitz der crkva bosanska, der bogomilischen Bosnischen Kirche – bis nach Gornje Moštre, wo sich vermutlich eine international bekannte Lehrstätte der Bogomilen befand. Freilich ist heute von der Geschichte dieser Orte inmitten von Kleinstadtsiedlungen kaum noch etwas zu erahnen.

KLein, aber fein: das Heimatmuseum von Visoko

Das Stadtmuseum von Visoko hilft uns da schon eher weiter: Der Eintritt ist kostenlos, und wir werden freundlich ins angenehm kühle Kellergeschoß geführt, wo einige eindrucksvolle Ausstellungstücke zu sehen sind.

Die Schätze des Landesmuseums in Sarajevo

Am Nachmittag geht es dann über die Autobahn A1 hinein nach Sarajevo. An der obala kulina bana passieren wir die Lateinerbrücke – in deren Nähe 1914 das verhängnisvolle Attentat auf Franz Ferdinand von Österreich-Este stattfand und das eindrucksvolle Rathaus aus dem 19. Jahrhundert, um schließlich in unserem schmucken Hotel an der Miljacka einzuchecken.

Wir freuen uns auf einen entspannten Abend auf der baščaršija, dem quirligen Basarviertel aus osmanischer Zeit im Herzen der Altstadt. Doch davor gibt es noch einen Abstecher ins Nationalmuseum von Bosnien und Herzegowina. In dessen gepflegtem Gartenpark wurden in den letzten Jahrzehnten nämlich zahlreiche bedeutende stećci versammelt und ausgestellt.

Stećci im Innenhof des Nationalmuseum von Bosnien und Herzegowina in Sarajevo
Stećci im Innenhof des Nationalmuseum von Bosnien und Herzegowina in Sarajevo
Wir machen zunächst einen Rundgang durch die sehenswerte spätrömische und mittelalterliche Sammlung, und widmen uns dann den gut erhaltenen Gedenksteinen. Nachdem eine junge Influencerin mit ihrer Freundin ihr Fotoshooting erfolgreich abgeschlossen hat, stehen uns die reich verzierten stećci für eine ausgedehnte Betrachtung zur Verfügung …

Die baščaršija von Sarajevo

Nun ist es endlich Zeit für einen Abstecher auf den berühmten Bazar von Sarajevo. Die baščaršija ist auch zu später Stunde noch sehr belebt – und das nicht nur von den tatsächlich riesigen Schwärmen von Stadttauben.

Die baščaršija von Sarajevo im Abendlicht
Die baščaršija von Sarajevo im Abendlicht
Besucher aus allen Teilen Bosniens, aus arabischen Ländern, der Türkei, aus Österreich, Deutschland mischen sich unter die Einheimischen. Ein alter Mann mit Rauschebart, langem Haar und weißem Gewand sieht tatsächlich aus wie ein mittelalterlicher Wanderprediger auf Mission … Vereinzelt sind auch Eufor-Soldaten beim entspannten Abendessen zu sehen.
Kupferne Souvenirs in Sarajevo – ob Kaffeeservice oder recycelte Gewehrpatrone ...
Kupferne Souvenirs in Sarajevo – ob Kaffeeservice oder recycelte Gewehrpatrone ...

Nach einem Spaziergang zwischen unzähligen Souvenirläden – die Touristen hier scheinen Unmengen glänzender Sets für türkischen Kaffee zu benötigen – finden wir schließlich ein kleines, gemütliches und veganes Restaurant, das bei entspannter Musik eine reiche und leckere Auswahl serviert. Die prirodna limunada, also ein kühles Wasser mit frischer Zitrone, ist dabei in der Sommerhitze ein Geheimtipp.

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